Bericht auf dem Gäubote – 04.02.2019

Zoom: Der Chor Bella Cantare lässt sich auf ein neues Konzertformat ein GB-Foto: Holom

Zeitreise durch internationale Charts

Lokal Kultur

Öschelbronn: Die Chöre Bella Cantare und enJOY! rücken dichter an ihr Publikum

Ob nun die Liebe zu einem Menschen, die Liebe zur Musik, die Liebe zu einem Kontinent, die Liebe zur Schöpfung oder die Liebe zu einem neuen Menschenzeitalter, das größte aller Gefühle dominiert auch die Hitparaden dieser Welt. Der Öschelbronner Chor Bella Cantare und sein Ensemble enJOY! rufen in der Aspenhalle noch einmal große Chart-Momente in Erinnerung.

Rüdiger Schwarz

Man hat sich in diesem Jahr für einen anderen Rahmen, die Nebenräume der Aspenhalle entschieden. Für die Sänger ein gewohntes Terrain, probt man dort doch. Auf aufwendige Licht- und Tontechnik verzichtet man, gesungen wird ohne Mikrofon, allein Fabian Bauer sorgt am Flügel für eine reizvolle Begleitung des Chores. Anstatt in viel Technik zu investieren, mit dem Ergebnis, dass in der großen Halle so manche sängerischen Feinheiten untergingen, betritt man nun Neuland. Die Sänger müssen bei diesem unter intimeren Bedingungen stattfindenden Experiment zweimal ran, samstags und sonntags.

“Wir wollen dem Publikum in die Augen schauen”, sagt Yvonne Wilmes, die charmant durch den Abend führt. Aus der Verlegenheitslösung als es einmal keine Programmhefte gab, hat der von Judith Erb-Calaminus geleitete Chor eine Tugend gemacht. Die Zuhörer wissen nicht, was sie erwartet.

Die Chart-Sause beginnt im Jahre 1969, sehr atmosphärisch, von blumig swingender Pop-Note getragen, so gerät das legendäre Medley “Aquarius” und “Let The Sun Shine In” aus dem Musical Hair zum Pop-Spiritual. Das erst recht, sobald die Frauenstimmen regelrecht himmelwärts stürmen. Sanfte und zartbesaitete Harmonien, eine bittersüße, zum Dahinschmelzen schöne Melodie reichen die Sänger mit der anrührenden Soul-Ballade “Killing Me Softly”, mit der Roberta Flack 1973 zu Weltruhm gelangte, an.

Abwechslung ist an diesem Abend Trumpf

Doch auch von so manchem deutschsprachigem Liedgut wird man mit  innigem  Pathos berührt. So wächst sich die wehmütige Zartbitternote von  Unheiligs “Geboren um zu leben” zu einer Pop-Hymne, die das Leben als unwiederbringliches Geschenk feiert, aus. Ein perlendes Piano, eine Soprankunst, die zuweilen in sphärischen Höhen dahinschwebt.

Abwechslung ist an diesem Abend Trumpf. Unverhoffter Dinge findet sich um Sänger Michael Wilmes eine kleine Band zusammen. Mit Gitarre, E-Bass und Cajon geht es akustisch ab in die Beat-Ära. Das von Lennon/McCartney/Ringo Starr auf dessen Stimmumfang zugeschnittene “With A Little Help From My Friends” vermag auch heute noch mit seinem Gute-Laune-Groove zu rocken. Country- und Bluegrass-Gefühle lassen Combo samt Sänger dagegen mit Billie Joe Spears’ “Blanket On The  Ground” aus dem Jahre 1975 aufkommen. Nach so viel locker-flockigen Leichtigkeit des Seins, die dem Prickeln einer wiederauflammenden Liebe geschuldet ist, bricht mit der Filmmusik zum

Zauberer von Oz, Judy Garlands zum Jazz-Klassiker avanciertem “Over The Rainbow”, die blaue Stunde zwischen Traum und Wirklichkeit an. Der kleine Chor von Bella Cantare legt in die Ballade eine geschmeidige, verträumte, sehr gefühlvolle Chanson-Note hinein.

Fabian Bauer unterlegt dem Ganzen eine wie getupfte Klavierbegleitung. Keck, temperamentvoll, mit fidelen Lautmalereien gespickt, hüpft der soulige Pophit “Sweet About Me” der Sängerin Gabriella Cilmi aus dem Überraschungsei, um einen auf die sonnige Seite des Lebens zu ziehen. Doch schon beginnen dank eines Quartetts die Pop-Farben hauchzart zu schimmern und sacht zu funkeln. Eva und Dagmar Heiß, Angelika Lang und Judith Erb-Calaminus nehmen sich behutsam und einfühlsam der Cyndi-Lauper- Popperle “True Colors” an. Dann wird es episch, dicht und wuchtig, ein “Nothing Else Matters” schwillt zum brodelnden und klangbrillanten Metal-Opus an. Mitunter gerät der Metallica-Klassiker zum strahlenden Lautpoem, imitiert der Chor doch E-Gitarren und

-Bässe nebst Schlagwerk. Eine Metal-Ballade als Chorliteratur, wer hätte gedacht, dass dies prächtig funktioniert.

Lautmalereien wie aus dem Synthesizer

Gleiches gilt für die pfiffigen A-cappella-Lautmalereien, mit denen die Sänger den synthesizerlastigen Rhythmus von Harold Faltermayers Filmmusik “Axel  F” nachahmen. Nach diesem stimmlichen Kabinettstückchen schlägt mit  den  Charterfolgen  “Say Something”, “When We Were Young” und “Tell Him”, bei dem Judith Erb-Calaminus als Solistin ihre ganze Soprankunst ausspielt, die  Stunde  großer,  tiefempfundener  Emotionen, die von den Unwägbarkeiten der Liebe erzählen, ob sie nun verloren scheint, nur noch in Bruchstücken erinnert oder als Überlebenskraft beschworen wird. Derweil mit Ed Sheerans “Perfect” erneut frischverliebte Schmetterlinge im Bauch flattern. Ob nun ein “Earth  Song” von Michael Jackson, ein “Music” von John Miles oder “Walking On Sunshine” von Katrina   & The Waves, von melancholisch,  euphorisch  oder  schwärmerisch,  Bella  Cantare schwelgen weiter in Melodienseligkeit. Und – Reinhold Dahlinger wird vom Chorverband   Otto Elben für 30 Jahre als aktiver Sänger geehrt.

Neujahrskonzert 2019

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